Bestattungen im Wandel der Zeit

Die Anfänge … und das Ende

Der Tod ist in der modernen westlichen Kultur zum gesellschaftlichen Tabu geworden, über das nicht mehr gesprochen werden darf. Es zählen Jugendlichkeit, Sportlichkeit, Vitalität usw.….., von Alter, Krankheit, Gebrechlichkeit oder gar dem Tod möchte niemand etwas hören.

Die Wirklichkeit des Todes holt uns glücklicherweise nicht so häufig ein und wird dann den professionellen Bestattern überlassen.

Immer mehr hört man davon, die Asche der Toten auf einem Feld, im Wald, im Meer oder gar von Heißluftballons aus zu verstreuen.

Sogar ins Weltall kann man sich schießen lassen, oder aus der Asche einen Diamanten herstellen lassen.

Dabei gehören doch Gräber zum Mensch sein. Mit dem Glauben an ein Jenseits entwickelten die Menschen vor nunmehr rund 40.000 Jahren bestimmte Formen der Bestattung, einfache und verfeinerte wie in Ägypten. Schon die Neandertaler vor mehr als 50.000 Jahren begruben ihre Toten sorgsam und warfen sie nicht achtlos in eine Grube oder überließen sie den wilden Tieren. Seit diesem Zeitpunkt lässt sich nachweisen, dass der Mensch an eine jenseitige Welt glaubt.

Geschichtliches

In allen Kulturen ist die häufigste Art einen Menschen zu bestatten, das Begraben oder das Verbrennen. Im Allgemeinen begleitet von Riten und Zeremonien, die sich aus Religion und Traditionen entwickelt haben.

Die Gründe für das Zeremoniell sind verschieden, alle haben jedoch das gleiche Ziel: den Verlust um eine geliebte Person auszudrücken, ihr Respekt zu zollen und Abschied zu nehmen und die eigene Trauer bewältigen.

In allen Religionen bedeutet der Tod jedoch kein Ende – sondern einen Neuanfang, eine Wiedergeburt, wie auch wir Christen an die Auferstehung glauben.

Grabbeigaben spielten und spielen in vielen Kulturen eine wichtige Rolle. Die ursprüngliche Bedeutung lag darin, den Toten etwas mitzugeben für sein Leben im Jenseits.

Bei den Griechen und den Ägyptern wollte man sich mit den Gaben auch vor dem Zorn der Verstorbenen schützen und sie milde stimmen für den Fall, dass sie in die Welt der Lebenden zurückkehrten.

Heute sind Grabbeigaben - oft ganz persönliche Gegenstände des Toten, oder Andenken an die Hinterbliebenen, aber auch Briefe oder Fotos- sind eher als Zeichen des Abschieds und als erster Schritt der Trauerbewältigung zu sehen.

Die Tradition des Sarges

Die Form des Sarges als Begrabebehältnis ist seit mindestens 5000 Jahren bekannt und aus vielen Teilen der Welt belegt.

Im alten Ägypten bestattete man die Toten in korbähnlichen Gebilden aus geflochtenen Zweigen. Seit ca. 120 n. Chr. Kennt man den Vorgänger des Sarges, den Sarkophag – ursprünglich der Name einer Kalksteinart.

Das besondere waren die aufwendig gestalteten Reliefverzierungen an der Langseite, die zusätzlich noch bemalt wurden.

Da die Sarkophage in Grabkammern beigesetzt wurden, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, ist bis heute strittig, ob die detaillierten Reliefs für den Toten und das Jenseits gemacht wurden, oder den Angehörigen Trost spenden sollten.

Heute würden wir von Recycling sprechen – früher wurden die Sarkophage auch mehrfach benutzt oder dienten als Brunnen oder Kirchenschmuck.

Erst die Einführung des Leichenhauses, die mit einer Aufbahrungsfrist verbunden war machte die Benutzung eines Sarges aus hygienischer Sicht erforderlich.

Die Form ist bis heute angelehnt an die historischen nahezu barocken Formen.

Erst seit Ende des 80 er Jahre fanden modernere Formen Einzug in die Bestattungspraxis. Heute ist dem Ideenreichtum keine Grenze gesetzt. Vom Biosarg über individuell gestaltete, farbige oder bemalte Särge bis hin zu futuristischen Formen ist alles möglich

Für Feuerbestattungen gilt. Keine Einäscherung ohne Sarg. Er dient zum Transport und als Mindestanforderung an die hygienischen Vorschriften.

Feuerbestattung

Im Jahr 789 verbot Karl der Große die Feuerbestattung und erklärte die Erdbestattung zur einzigen Bestattungsform. Gegen den kirchlichen Widerstand wurde1878 das erste deutsche Krematorium in Gotha erbaut. Feuerbestattungen wurden von den christlichen Kirchen lange Zeit abgelehnt, da sie dem Glauben an eine Wiederauferstehung des Leibes am jüngsten Tag widersprachen. Die katholische Kirche verbot sie noch bis in die sechziger Jahre hinein gänzlich. Heute dulden die beiden großen Kirchen Einäscherungen, befürworten aber nach wie vor die Erdbestattung als christliche Praxis.

Durch die ablehnende Haltung der Kirchen verbreitete sich die Feuerbestattung in Deutschland zunächst nur langsam. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ sich hier kaum jeder Hundertste verbrennen. Bis zum Jahr 1995 stieg der Anteil auf 36 Prozent, allerdings mit starken regionalen Schwankungen. In den neuen Bundesländern wurde zu DDR-Zeiten die Einäscherung staatlich gefördert, dort sind es zum Teil 90,6 Prozent, in Augsburg dagegen nur 26,4 %. In katholischen Bezirken setzt sie sich der Kirchenmeinung gemäß nur langsam durch. In Städten ist die Kremierung weiter verbreiteter als in ländlichen Gebieten.

Vor allem aus Kostengründen und aus Gründen der Anonymität bzw. der nicht anfallenden Grabpflege entscheiden sich heute immer mehr Menschen für die Einäscherung.

Die meisten Krematorien sind noch in öffentlicher Hand. In den letzten Jahren wurde hier die Privatisierung zugelassen und laufend werden neue Krematorien in Betrieb genommen.